Europäischer Verband der Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Tourismusgewerkschaften
Gemeinsam fűr menschenwűrdige Arbeit und gerechten Lohn vom Feld bis auf den Tisch

Europäisches Manifest für ein sozial nachhaltiges Coca-Cola-System

03/04/2014

Coca-Cola setzt bei allen europäischen Abfüllunternehmen derzeit seine Angriffe auf die Arbeitsplätze, Work-Life-Balance und die Rechte der Arbeitnehmer fort und stellt unaufhörlich die Forderung nach mehr Arbeitszeitflexibilität. Diese Haltung zeigt ganz klar, dass trotz der signifikanten finanziellen Profite, die das Coca-Cola-System erwirtschaftet, Personalkürzungen und eine generelle Verschlechterung der Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen von dem Unternehmen als alleinige Form der Kostenreduzierung verstanden wird. Von dieser Industriepolitik des Unternehmens sind bereits viele Arbeitnehmer in Europa betroffen. Es ist die stillschweigende Geheimformel, um die ehrgeizigen Ziele der für 2020 angekündigten Vision zu erreichen.

Als Mitglieder der EFFAT Coca-Cola-Koordinationsgruppe, bestehend  aus nationalen Gewerkschaftsfunktionären, leitenden Vertrauensleuten und Mitgliedern von nationalen und europäischen Betriebsräten, die die Coca-Cola-Belegschaft bei Coca-Cola Company, Coca-Cola Enterprises, Coca-Cola Hellenic Bottling Company, Coca-Cola Iberian Partners und Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG vertritt:

  • bringen wir unsere tiefe Enttäuschung über die vom Coca-Cola-Management in Europa umgesetzten Unternehmensstrategien zum Ausdruck. Die Entscheidungen der Unternehmensleitung, die signifikante Auswirkungen auf die Coca-Cola-Mitarbeiter haben, wurden und werden ohne faire und korrekte Beteiligung der Arbeitnehmervertreter getroffen. Wir lehnen die Haltung dieses Unternehmens vehement ab, weil sie weit von der konstruktiven Zusammenarbeit, die wir vor einigen Jahren gewohnt waren, entfernt ist.
  • Wir akzeptieren nicht, dass ein Unternehmen, dessen Aktien um etwa 20% zulegten und das finanziell sehr gut aufgestellt ist, beschließen kann, sein Humankapital durch Angriffe auf Arbeitsplätze und Arbeitnehmerrechte in noch nie da gewesener Weise abzubauen.
  • Wir können nicht hinnehmen, dass bei Coca-Cola der Shareholder Value das einzige Interesse ist, das die Firmenleitung verfolgt. Während die Mitarbeiter dieses Unternehmens ständig zu noch mehr Flexibilität aufgefordert werden und ihnen keine Möglichkeit mehr bleibt, einen menschenwürdigen Lebensstandard für sich und ihre Familien zu sichern, heben die Mitglieder des oberen Managements ihre Profite und Bonuszahlungen kontinuierlich an. All das geschieht, ohne durch eine transparente Investitionspolitik für nachhaltiges Wachstum des Unternehmens zu sorgen, anstelle von Kosteneinsparungen zum Nachteil der Menschen, durch deren Arbeit diese Gewinne erst zustande kommen.
  • Wir haben kein Vertrauen in ein Unternehmen, das beträchtliche Mittel in die Pflege seiner Marke und seines Renommees steckt, dabei aber keine Rücksicht auf die Rechte und das Wohlergehen seines größten Kapitals nimmt, nämlich jene Beschäftigten, die durch ihre täglichen Bemühungen Coca-Cola weltweit zu einem großartigen Produkt machen.
  • Wir akzeptieren nicht, dass Firmenentscheidungen, die Umstrukturierungsprozesse und Werksschließungen nach sich ziehen, getroffen  werden, ohne die Nachhaltigkeit und die möglichen Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Beschäftigten, ihre Familien und ganze Gemeinden, in denen diese Anlagen betrieben werden, zu bedenken und ohne die von den Gewerkschaften vorgelegten Alternativmaßnahmen und Gegenvorschläge zu berücksichtigen. 
  • Wir verurteilen den Verstoß gegen Gewerkschaftsrechte auf das Schärfste. Gewerkschaften sind stets als wichtigster Gesprächspartner der Unternehmensleitung anzusehen. Nicht nur die EBR, sondern auch die Gewerkschaften müssen rechtzeitig und in bedeutungsvoller Weise über transnationale Angelegenheiten unterrichtet und angehört werden: Gewerkschaften sind jene Organisationen, die sich konkret mit den drastischen sozialen Auswirkungen auseinandersetzen müssen, die durch rücksichtslose Unternehmensstrategien verursacht werden.
  • Wir drücken unsere tief empfundene Solidarität und unsere größte Unterstützung für all jene Kollegen aus, die infolge von Initiativen für „Produktivität" ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Unsere Forderungen an das Zentralmanagement von The Coca-Cola Company, Coca-Cola Enterprises, Coca-Cola Hellenic Bottling Company, Coca-Cola Iberian Partners und Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG

In all den letzten Jahren hat die Managementstrategie von Coca-Cola tragische Auswirkungen auf alle Abfüllunternehmen in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) mit sich gebracht. Angesichts dieser kritischen Situation und der mangelnden Bereitschaft für eine konstruktive Zusammenarbeit mit der transnationalen europäischen Gewerkschaftsbewegung, die das Management von Coca-Cola in Europa gezeigt hat, ermächtigt die EFFAT-Coca-Cola-Koordinierungsgruppe, die vom 20. - 21. März in Madrid zusammentrifft, und die Coca-Cola-Belegschaft der Unternehmenstöchter The Coca-Cola Company, Coca-Cola Enterprises, Coca-Cola Hellenic Bottling Company, Coca-Cola Iberian Partners und Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG vertritt, EFFAT hiermit, folgende Forderungen vorzulegen:

  • Wir fordern, dass Coca-Cola auf EU-Ebene in einen ständigen und konstruktiven Dialog mit EFFAT, einem offiziell anerkannten europäischen Sozialpartner, und seinen nationalen Mitgliedsorganisationen eintritt. Mindestens vierteljährlich müssen im Voraus geplante Zusammenkünfte zwischen Vertretern des Zentralmanagements (Leiter der Humanressourcen aller in Europa tätigen Abfüllunternehmen sowie Vertreter der Unternehmensleitung der  Coca-Cola Company) und EFFAT sowie seinen Mitgliedsorganisationen stattfinden. Alle Fragen, welche die europäischen Arbeitnehmer beschäftigen, müssen mit den Gewerkschaften in Europa und nicht woanders behandelt und besprochen werden.
  • Wir fordern Coca-Cola auf, einen langfristigen Dialog mit EFFAT und seinen Mitgliedsorganisationen herzustellen, um in Europa stattfindende Umstrukturierungen zu antizipieren, sich darauf vorzubereiten und sie zu bewältigen. Wir fordern Coca-Cola dringend auf, einen gemeinsamen Plan zu erstellen, um die Anpassungsfähigkeit und die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer in Europa zu verbessern: Ausbildung und lebenslanges Lernen müssen weiter gefördert werden, um die Beschäftigungsfähigkeit zu gewährleisten.
  • Wir fordern Coca-Cola auf, EFFAT und seinen nationalen Mitgliedsorganisationen jede einzelne geplante Umstrukturierung, die in der EU und im EWR durchgeführt wird, ausführlich zu erklären, damit die Gewerkschaften und die Arbeitnehmervertreter in der Lage sind, eine eingehende Analyse zu erstellen und bedeutungsvolle Anhörungen zu ermöglichen, damit die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Umstrukturierungen vermieden oder zumindest auf ein Mindestmaß beschränkt werden.
  • Wir fordern Coca-Cola auf, Entlassungen zu vermeiden, die Auslagerung unserer Arbeitsplätze zu stoppen und alle von den Arbeitnehmervertretern vorgelegten möglichen Alternativlösungen und Gegenvorschläge zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang fordern wir Coca-Cola auf, eine proaktivere Rolle bei der Unterstützung der entlassenen Mitarbeiter zu spielen und ihnen beispielsweise bei der Suche nach neuer Arbeit behilflich zu sein.
  • Wir fordern, dass Coca-Cola die ständigen Bemühungen um flexiblere Arbeitszeiten einstellt, die für die Arbeitnehmer nur eine Belastung und Ursache für psychosoziale Risiken und Stress darstellen. Die Flexibilität wirkt sich auch negativ auf die Work-Life-Balance und die bestehenden Rechte der Coca-Cola-Belegschaft aus.
  • Wir fordern Coca-Cola auf, die Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechte vollinhaltlich zu respektieren und alle Formen von persönlicher Diskriminierung gegenüber gewählten Arbeitnehmervertretern einzustellen. Wir können diese schändlichen Verletzungen von Grundrechten nicht mehr hinnehmen.

 

EFFAT ist der Europäische Verband der Landwirtschafts-, Nahrungsmittel- und Tourismusgewerkschaften. Er vertritt als europäische Dachorganisation von 120 nationalen Gewerkschaften aus 35 europäischen Ländern die Interessen von mehr als 22 Millionen Arbeiter gegenüber den europäischen Institutionen, den europäischen Arbeitgeberverbänden und transnationalen Konzernen. EFFAT ist Mitglied des EGB und is der europäischen Regionalorganisation der IUL.